Gewalt und Mobbing in der Arbeitswelt

Bild: Dominik Buschardt

Gewalt am Arbeitsplatz

Der Begriff "Gewalt" ist vielschichtig. Für den Arbeitsschutz bietet sich die Definition der International Labour Organization (ILO) an. Sie beschreibt Gewalt am Arbeitsplatz als "jede Handlung, Begebenheit oder von angemessenem Benehmen abweichendes Verhalten, wodurch eine Person im Verlauf oder in direkter Folge ihrer Arbeit schwer beleidigt, bedroht, verletzt, verwundet wird."

Zu unterscheiden ist zwischen externer Gewalt, verursacht durch Kunden oder Besucher, und interner Gewalt, die von Kollegen, Vorgesetzten oder Mitarbeitern ausgeht. Davon abzugrenzen Mobbing.


Externe Gewalt am Arbeitsplatz

Gewalt am Arbeitsplatz tritt vorwiegend in Form von Bedrohungen, Belästigungen und Beleidigungen auf. Aber auch tätliche Angriffe auf Beschäftigte kommen vor. Bedrohungen und Übergriffe am Arbeitsplatz haben EU-weit deutlich zugenommen. Bei einigen Beschäftigtengruppen liegt das Risiko, mit Gewalt am Arbeitsplatz konfrontiert zu werden, deutlich über dem anderer Branchen. Dazu gehören Sparkassen und Banken, Bahnen sowie Justiz- und Sozialbehörden. Oft treffen auch mehrere Risikofaktoren zusammen, zum Beispiel:

Mobbing

Für den betroffenen Arbeitnehmer bedeutet Mobbing am Arbeitsplatz eine extrem belastende Situation. Im Hinblick auf den inflationären Gebrauch des Begriffs Mobbing ist eine Versachlichung des Themas anzustreben. Dazu trägt eine klare Begriffsbestimmung bei. In Veröffentlichungen der DGUV favorisieren wir folgende Definition:
Mobbing ist eine konflikthafte Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, bei der

  • (1) eine Person von einer oder einigen Personen
  • (2) systematisch,
  • (3) oft (mindestens einmal pro Woche) und
  • (4) während längerer Zeit (mindestens über sechs Monate)
  • (5) mit dem Ziel des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis
  • (6) direkt oder indirekt angegriffen wird.

Folgen von Gewalt

Gewalt und Mobbing am Arbeitsplatz sind zu wichtigen Themen für den Arbeitsschutz geworden. Neben körperlichen Verletzungen leiden Betroffene häufig an massiven psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen und verlieren ihr Vertrauen in die soziale Umwelt. Darüber hinaus führen die krankheitsbedingten Fehlzeiten zu erheblichen betriebs- und volkswirtschaftlichen Einbußen.

Prävention

Zur Prävention von Gewalt bieten sich beispielhaft folgende Maßnahmen an:
im Arbeitsumfeld

  • bauliche Maßnahmen, zum Beispiel Notausgänge oder Schutzwände
  • technische Maßnahmen, zum Beispiel Zugangskontrollen oder Notrufsysteme
in der Arbeitsorganisation
  • Vermeidung von Einzelarbeitplätzen
  • geringe Bargeldbestände, Nutzung bargeldloser Alternativen
Information und Qualifikation des Personals
  • Unterweisung und Einhaltung von Sicherheitsvorschriften
  • Vermeidung von Stresssituationen
  • Deeskalationsseminare zur Bewältigung schwieriger und bedrohlicher Situationen mit Kunden
Ein geeigneter Präventionsansatz gegen Mobbing und betriebsinterne Gewalt ist eine Unternehmenspolitik, die sich auszeichnet durch
  • eine konstruktive Konfliktkultur
  • regelmäßige Unterrichtung der Beschäftigten
  • Aus- und Weiterbildung der Führungskräfte
  • und entsprechende Betriebsvereinbarungen.

Ansprechpersonen

Dr. Christoph Matthias Paridon
Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG)
Abteilung Qualifizierung
Tel.: 0351 457-1816

Christian Pangert
Abteilung Sicherheit und Gesundheit (SiGe)
Referat "Psychische Gesundheit"
Tel.: 089 62272-210

Prof. Dr. Dirk Windemuth
Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG)
Institutsleitung
Tel.: 0351 457-1800