Forschung

Forschung der gesetzlichen Unfallversicherung zu Berufskrankheiten

Die Forschung zu Berufskrankheiten ist als Aufgabe der gesetzlichen Unfallversicherung im Siebten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII) verankert. Hiernach sind die Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaften und Unfallkassen) verpflichtet, durch eigene Forschungen oder durch Beteiligung an fremden Forschungsvorhaben bei der Gewinnung neuer medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse insbesondere zur Fortentwicklung des Berufskrankheitenrechts mitzuwirken (§ 9 Abs. 8 SGB VII).

Die Forschungsaktivitäten der gesetzlichen Unfallversicherung sind auf vier Säulen verteilt:

1. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen

Branchen- und gefährdungsspezifische Forschung wird häufig von den Unfallversicherungsträgern selbst durchgeführt oder von diesen (mit-)finanziert.

2. Die Forschungsinstitute der DGUV

Die Unfallversicherungsträger haben drei gemeinsam getragene Institute eingerichtet, die sich der Forschung in den Bereichen Prävention und Berufskrankheiten widmen:

3. BG-Kliniken

Im gesamten Bundesgebiet gibt es neun berufsgenossenschaftliche Akutkliniken und zwei Kliniken für Berufskrankheiten, die vor allem in den Bereichen Heilverfahren und Rehabilitation entsprechende Forschungsprojekte durchführen.

4. Forschungsfonds der DGUV

Die DGUV verwaltet im Auftrag ihrer Mitglieder einen Forschungsfonds. Universitäten, Fachhochschulen, Kliniken und andere Einrichtungen können aus diesem Fonds Gelder für Forschungsprojekte aus den Bereichen Prävention, Rehabilitation und Berufskrankheiten beantragen.

Grundsätzlich fördert die DGUV Forschungsvorhaben, die für mehrere Unfallversicherungsträger von Nutzen sind. Die praktische Relevanz der Projekte für die Unfallversicherungsträger steht dabei im Vordergrund.

Über die Förderung von Forschungsprojekten und die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel entscheiden die Sozialpartner in den Gremien der Selbstverwaltung der Unfallversicherung.

Die DGUV-Forschungsförderung hat 2018 Fördermittel in Höhe von 4,82 Mio. Euro ausgezahlt. Gefördert wurden damit insgesamt 62 Projekte.

Forschungsschwerpunkte

Die Berufskrankheiten-Forschung soll aktuelle Bedarfe aufnehmen. Die DGUV hat deshalb Ende 2017 Themenfelder im Bereich Berufskrankheiten bekannt gemacht, in denen ein besonderer Forschungsbedarf gesehen wird. Mit der Bekanntmachung will die DGUV potenzielle Forschungsnehmer anregen, Förderanträge zu diesen Forschungsfeldern zu stellen. Gleichzeitig soll mit dieser Maßnahme die Transparenz der Forschung und der Forschungsförderung der gesetzlichen Unfallversicherung verbessert und die öffentliche Wahrnehmung der Berufskrankheiten-Forschung erhöht werden.

Die Forschungsschwerpunkte wurden in einem mehrstufigen Prozess erarbeitet. Beteiligt waren Fachleute aus der Praxis und von den Sozialpartnern. Die Bekanntmachung zu Forschungsthemen von besonderem Interesse im Bereich Berufskrankheiten aus Sicht der DGUV wurde hier veröffentlicht (PDF, 110 kB).

Transparenz

Forschungsprojekte aus dem Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung werden an die öffentlich zugängliche „Forschungsdatenbank Arbeitsschutz“ des BMAS (https://www.dguv.de/de/forschung/forschungsdatenbank/index.jsp ) gemeldet. Diese Datenbank enthält Informationen über laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte, die von den Unfallversicherungsträgern in eigenen Instituten bearbeitet wurden (Eigenforschung) oder von ihnen gefördert und von Dritten durchgeführt wurden. Auch Projekte der Forschungsinstitute der DGUV sind in der Datenbank zu finden. So ergibt sich bereits heute ein vollständiges Bild der Forschungsaktivitäten unter Beteiligung der Unfallversicherung. Darüber hinaus werden die Forschungsergebnisse häufig in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.

Nutzen der Projektergebnisse

Die Forschungsergebnisse können beispielsweise genutzt werden, um

  • Erkenntnisse zu möglichen neuen Berufskrankheiten zu gewinnen (§ 9 Abs. 2 SGB VII),
  • bestehende Berufskrankheiten-Tatbestände zu konkretisieren
  • Verwaltungsverfahren und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Ärzten zu optimieren
  • Verfahren zur Früherkennung, zur Intervention und zur Heilbehandlung zu verbessern
  • diagnostische Verfahren und Methoden (weiter) zu entwickeln

Neue Forschungserkenntnisse fließen zum Beispiel auch in die Beratungen des Ärztlichen Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" (ÄSVB)* ein. Dies war auch bei der Berufskrankheit „Fokale Dystonie“ der Fall:

Um zu klären, ob Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit in erheblich höherem Maße als die übrige Bevölkerung an fokaler Dystonie leiden, förderte die DGUV 2012/13 ein systematisches Litereraturreview. Es zeigte, dass langjähriges, wiederholtes Musizieren generell geeignet ist, fokale Dystonien bei Berufsmusikern und Berufsmusikerinnen zu verursachen.

Im Jahr 2015 kam der Ärztliche Sachverständigenbeirat „Berufskrankheiten“ zu dem Ergebnis, dass ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse für die Aufnahme der fokalen Dystonie bei Instrumentalmusikern und Instrumentalmusikerinnen als Berufskrankheit vorliegen. Eine wesentliche Grundlage dieser Bewertung waren die Ergebnisse des Literaturreviews. Im August 2017 wurde die „Fokale Dystonie“ in die Berufskrankheitenliste aufgenommen („Fokale Dystonie als Erkrankung des zentralen Nervensystems bei Instrumentalmusikern durch feinmotorische Tätigkeit hoher Intensität“).

(*)https://www.bmas.de/DE/Themen/Soziale-Sicherung/Gesetzliche-Unfallversicherung/der-aerztliche-sachverstaendigenbeirat-berufskrankheiten.html

Zukunft der BK-Forschung - Weißbuch Berufskrankheitenrecht

Ende 2016 hat die gesetzliche Unfallversicherung ein Weißbuch Berufskrankheitenrecht vorgelegt. Darin erläutert sie ihre Vorschläge zu einer Weiterentwicklung des Berufskranktheitenrechts. Ein Handlungsfeld ist das Thema "Forschung".

Um die Transparenz der Forschung und Forschungsförderung der gesetzlichen Unfallversicherung und den Stellenwert von Forschung mit BK-Relevanz in der öffentlichen Wahrnehmung weiter zu erhöhen, wird hierin die Einführung einer gesetzlich verankerten Berichtspflicht vorgeschlagen.