Analyse der Muskel-Skelett-Belastungen bei physio- und ergotherapeutischen Tätigkeiten insbesondere hinsichtlich des Daumens

Projekt-Nr. IFA 4276

Status:

laufend

Zielsetzung:

Die aktuelle wissenschaftliche Literatur zeigt, dass Ergo- und Physiotherapeutinnen und -therapeuten häufig unter arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen der distalen oberen Extremitäten leiden. Insbesondere der Daumen, die Hand und das Handgelenk sind betroffen. Diese Beschwerden stehen in Verbindung mit der wiederholten Ausführung manueller Techniken und hohen Behandlungsfrequenzen. Da die bisherigen Erkenntnisse überwiegend auf Fragebogendaten basieren, kann der Zusammenhang zwischen konkreten biomechanischen Belastungen und dem Auftreten von Beschwerden nur unzureichend quantifiziert werden. Insbesondere fehlen belastbare, messtechnisch erhobene Daten zur objektiven Erfassung physischer Expositionen und zur Ableitung möglicher Schwellenwerte für gesundheitsschädliche Belastungen.

Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen des Projekts ein messwertbasiertes Tätigkeiten-Expositionskataster (TEM) für die obere Extremität mit besonderem Fokus auf den Daumen entwickelt werden. Das Ziel besteht darin, die kumulativen biomechanischen Belastungen bei physio- und ergotherapeutischen Tätigkeiten präzise abzubilden und eine evidenzbasierte Grundlage für Prävention, Gefährdungsbeurteilungen und die objektivere Bewertung arbeitsbedingter Erkrankungen, insbesondere im Kontext von Berufskrankheitenverfahren, zu schaffen. Langfristig sollen die gewonnenen Daten auch zur Bewertung potenzieller neuer Berufskrankheiten, wie der Osteoarthrose der Hand- und Fingergelenke, beitragen.

Aktivitäten/Methoden:

Im Rahmen einer Feldstudie sollen die körperlichen Belastungen der oberen Extremität bei physio- und ergotherapeutischen Tätigkeiten unter realen Arbeitsbedingungen objektiv erfasst werden. Geplant ist die Untersuchung von etwa 50 Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten (25 m, 25 w). Die Teilnehmenden verfügen über mehrjährige Berufserfahrungen und werden während eines vollständigen Arbeitstages bei ihrer regulären Tätigkeit begleitet.

Zur Erfassung der physischen Exposition kommt das CUELA-Verfahren zum Einsatz. Mittels mobiler Messtechnik werden Bewegungsdaten über Inertialsensoren aufgezeichnet. Ergänzend werden Finger-Tracking-Handschuhe verwendet, um detaillierte Finger- und insbesondere Daumenbewegungen zu erfassen. Die kinematischen Daten werden hinsichtlich relevanter Parameter wie Gelenkwinkel, Bewegungsumfang, Repetition und Bewegungsgeschwindigkeit ausgewertet.

Zusätzlich wird die muskuläre Beanspruchung durch mobile Elektromyografie (EMG) erhoben, wobei ausgewählte Muskelgruppen der distalen oberen Extremität untersucht werden. Die Kombination aus kinematischen und elektromyografischen Daten ermöglicht eine differenzierte Analyse der biomechanischen Belastungen von Daumen, Hand und Handgelenk im Arbeitskontext.

Die erhobenen Messdaten werden softwaregestützt weiterverarbeitet, anonymisiert ausgewertet und in das TEM überführt. Dieses Kataster bildet die Grundlage für die Identifikation belastungsintensiver Tätigkeiten, die Ableitung präventiver Maßnahmen sowie die objektive Unterstützung von Gefährdungsbeurteilungen und Berufskrankheitenverfahren.

Stand:

27.08.2026

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
Branche(n):

Gesundheitswesen

Gefährdungsart(en):

Arbeitsbedingte Erkrankungen

Schlagworte:

Muskel-Skelett-Erkrankungen (außer Krebserkrankungen)

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Rhizarthrose, Daumensattelgelenk, Finger, Physiotherapie, Ergotherapie, Muskel-Skelett-Belastungen

Kontakt