BK-Info für Ärztinnen/Ärzte

Diagnosen

Bei Ihrer Patientin bzw. Ihrem Patienten liegt die nachfolgend genannte Diagnose vor?

  • L70.8 Sonstige Akne

Berufliche Tätigkeiten / Einwirkungen

War Ihre Patientin bzw. Ihr Patient eine dieser nachfolgend beschriebenen Einwirkungen bei der Arbeit ausgesetzt?

Berufliche Einwirkungen / Tätigkeiten BK-Nr.
Halogenkohlenwasserstoffe
Beispiele:
Das Herstellen, Abfüllen, Verpacken, Transportieren und Anwenden der nachfolgend genannten chemischen Verbindungen insbesondere als:

1.1 Lösemittel

z.B.
Dichlormethan (Methylenchlorid, CH2Cl2)
1,1,1-Trichlorethan (CCl3-CH3)
Trichlorethen (CCl2 = CHCl, Trichloräthylen, Tri)
Tetrachlorethen (CCl2 = CCl2, Tetrachloräthylen, Perchloräthylen, Per)
1,1,2-Trichlorethan
1,1,2,2-Tetrachlorethan
Trichlormethan (Chloroform, CHCl3)
Tetrachlormethan (CCl4, Tetrachlorkohlenstoff, Tetra)
  • in der Metallindustrie zum Entfetten
  • in der Textil- und Bekleidungsindustrie zum Reinigen und als Hilfsmittel bei der Textilveredelung (z. B. Imprägnierung)
  • in der Farbenindustrie und beim Aufbringen sowie Abbeizen von Anstrichstoffen
  • in der Kunststoff- und Gummiindustrie, insbesondere als Ausgangsprodukt für Polymere und als Lösemittel für Klebstoffe
  • in der Erdölindustrie zum Trennen von Stoffgruppen aufgrund ihres selektiven Lösevermögens (z. B. für Asphalte, Öle und aromatische Kohlenwasserstoffe)
  • als Extraktionsmittel für Fette, Wachse und Harze
  • in Chemischreinigungsbetrieben zum Reinigen und als Detachiermittel
  • in der Schuhindustrie als Lösemittel für Klebstoffe
  • in der Druckindustrie und im grafischen Gewerbe
  • beim Terrazzo-Schleifen und Fluatieren durch Trichlorethen und Tetrachlorethen

1.2 Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide)

Zur Bekämpfung von Insekten (auch Ameisen), Spinnmilben, Würmern und Nagetieren sowie als Saatbeizmittel werden Stoffe verwendet wie z. B.
  • Brommethan (CH3Br, Methylbromid)
  • Hexachlorcyclohexan (C6H6Cl6, "HCH"), und zwar sein Gamma-Isomer "Lindan"
  • Chlorbenzole: Chlorbenzol, 1,4-Dichlorbenzol (Mottenbekämpfungsmittel), Hexachlorbenzol (nur für Weizensaat zugelassen)
  • Polycyclische Chlorkohlenwasserstoffe, z. B. Aldrin (nur für Weinbau zugelassen)
  • chlorierte Camphene (Toxaphen, nur als Rodenticid im Forstbereich, auf abgeernteten Feldern und für Blumenzwiebeln zugelassen)
  • 1,3-Dichlorpropen (ClCH = CH-CH2Cl)
  • Polychlorierte Phenole, z. B. Pentachlorphenol "PCP" (s. BK Nr. 1310)
  • Die früher häufig verwendeten Insektizide Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan (DDT), Dieldrin sowie einige halogenierte Propan- und Propenverbindungen sind in Deutschland nicht mehr zugelassen

1.3 Kältemittel, Treibgase für Aerosole, Trennmittel

Verwendung von z. B.
R 11, Trichlor-fluormethan (CCl3F) - R 12
Dichlor-difluormethan (CCl2F2) - R 114
1,2-Dichlor-tetrafluorethan (CClF2-CClF2)
unter Handelsnamen wie "Frigene", "Freone", "Kaltron", "Arklone", "Algofrene", "Flugene"
  • für die Erzeugung von Kälte
  • als Treibmittel für Aerosole und Plastikschäume
  • zum Trennen von Formen bei der Kunststoff- und Schaumstoffherstellung

1.4 Feuerlöschmittel

Verwendung von Brom-Chlor-Fluorkohlenwasserstoffe (z. B. "Halon 1211", CF2ClBr, Bromchlordifluormethan) und als Bromtrifluormethan ("Halon 1301", CBrF3) zum Löschen brennender flüssiger oder gasförmiger Stoffe, auch in elektrischen Anlagen
Der Einsatz von Tetrachlormethan ist in der Bundesrepublik Deutschland seit dem 01.03.1964, der von Bromchlormethan seit dem 01.01.1975 verboten.

1.5 Syntheseausgangsstoffe und Zwischenprodukte in der chemischen Industrie
  • 1,2-Dichlorethan (CH2Cl-CH2Cl)
  • 1,1,2-Trichlorethan (CHCl2-CH2-Cl)
  • Vinylchlorid (Chlorethen, CH2 = CHCl)
  • Vinylidenchlorid (1,1-Dichlorethen, CH2 = CCl2)
  • Vinylidenfluorid (1,1-Difluorethen, CH2 = CF2)
  • Tetrafluorethen (CF2 = CF2)
  • Chloropren (2-Chlor-1,3-butadien, CH2 = CH-CCl = CH2)
  • Perchlorierte Naphtaline ("Perna", früher als Ersatz für Kautschuk, Harze, Wachse)
  • Chlormethan (Methylchlorid, CH3Cl)
  • Trichlormethan (Chloroform, CHCl3)
  • Tetrachlormethan ("Tetra", CCl4)
  • 1,2-Dichlorethan (CH2Cl-CH2Cl)
  • 1,1,2 Tetrachlorethan (CHC2-CHCl2)

1.6 Isoliermittel in der Elektroindustrie

Verwendung von chlorierte Naphthaline - polychlorierte Biphenyle ("PCB", "Clophen", "Arochlor" = "Askarele") als Isoliermittel, auch in Transformatoren und Kondensatoren

1.7 Narkose und Desinfektionsmittel, vorwiegend im medizinischen und hygienischen Bereich
Verwendung als
  • Narkosemittel wie z. B.
    • Enfluran (2-Chlor-1,1,2-trifluoräthyl-[difluormethyl]-ether) oder
    • Halothan (2-Brom-2-Chlor-1,1,1-Trifluorethan, CF3CHClBr)
  • Desinfektionsmittel und Mittel zur Geruchsverbesserung ("Toilettensteine") z. B. Dichlorbenzole u. a.
    • Vereisungsmittel z. B. Chlorethan (Ethylchlorid, Chlorethyl, CH3-CH2Cl)
  • Feuchtarbeit, die einen erheblichen Teil der Arbeitszeit einnimmt (Arbeiten im feuchten Milieu, Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe, häufiges oder intensives Reinigen der Hände)
  • Hautkontakt mit chemischen Substanzen mit irritativer bzw. allergener Potenz
  • Einwirkung von physikalischen Faktoren, wie z. B. von Mineralfasern,
    Schnitthaaren bei Friseuren und evtl. thermischen Reizen (Hitze und Kälte) sowie Mikrotraumen durch Metall- oder Glasteilchen
Beispiele:
  1. Feuchtarbeit, die einen erheblichen Teil der Arbeitszeit einnimmt und bei der die Haut nicht durch persönliche Schutzausrüstung geschützt werden kann, besonders bei zusätzlicher mechanischer und chemischer Einwirkung. Hierzu siehe Definition in der TRGS 401
  2. Hautkontakt mit chemischen Substanzen mit irritativer bzw. allergener Potenz, z.B. mit
    • Metallionen (z. B. von Chrom, Nickel, Kobalt)
    • alkalischen Flüssigkeiten (z. B. wassergemischten Kühlschmiermitteln, Reinigungslösungen)
    • Detergentien (waschaktiven Substanzen)
    • Desinfektionsmitteln (z. B. Formaldehyd, Glutaraldehyd, Benzalkoniumchlorid)
    • Bioziden (z. B. Chlormethylisothiazolon, Formaldehydabspalter)
    • Lösemitteln (z. B. aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffen, hochsiedenden Mineralölfraktionen, Nitroverdünnungen, Terpentinölen und Terpentinersatzpräparaten)
    • einigen Kunststoffmono- und -oligomeren und ihren Härtern (z. B. Epoxid- und Acrylatharzsystemen, Aminhärtern)
    • Friseurchemikalien (z. B. Glycerylmonothioglykolat, p-Phenylendiamin),
    • Lötsubstanzen (Kolophonium)
    • Gummihilfsstoffen (z. B. Thiurame, Carbamate)
    • parasubstituierten aromatischen Aminen (p-Phenylendiamin, Gummichemikalien, Farbstoffen, Farbentwicklern)
      • Auch natürliche Stoffe können eine Gefahrenquelle sein, wie z. B. Naturlatex, Mehle, Pflanzenbestandteile, Hölzer, Tierhaare, Tierschuppen (sowie andere tierische Proteine).
  3. Einwirkung von physikalischen Faktoren, wie z. B. von Mineralfasern, Schnitthaaren bei Friseuren und evtl. thermischen Reizen (Hitze und Kälte) sowie Mikrotraumen durch Metall- oder Glasteilchen.