Lage der Arbeitszeit: Schichtarbeit im Gastgewerbe

Praxisbeispiel

Eine Autobahnraststätte ist rund um die Uhr, also an sieben Tagen für jeweils 24 Stunden, geöffnet. Um dem Stammpersonal „normale“ Arbeitszeiten zu ermöglichen, werden in den Nachtstunden der Wochenenden vorwiegend Aushilfen in den Tankstellen eingesetzt, während die Restaurants im Schichtbetrieb mit festangestellten Beschäftigten besetzt sind. Die Beschäftigten geben an, dass die unflexible Einteilung der Schichten sie belastet, da die Lage der Arbeitszeit soziale Kontakte und die Ausübung von Hobbies erschwert.


Mögliche Gefährdungen

Ungünstig gestaltete Schichtarbeit und häufige Nachtarbeit können zu Schlafstörungen und zu einer Erhöhung des Unfallrisikos führen. Schichtarbeit kann gleichzeitig ungünstige Verhaltensweisen wie falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, Konsum von Suchtmitteln sowohl zur Beruhigung als auch zur Aktivierung begünstigen. Schicht- und Nachtarbeit verschieben den Tag-Nacht-Rhythmus der Beschäftigten. Dies kann zu zahlreichen Folgeerscheinungen, wie chronischer Müdigkeit, Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Migräne und Kopfschmerzen sowie ein reduziertes allgemeines Wohlbefinden führen.


Schutzziele

Die Arbeit ist gut gestaltet, wenn die Schichtpläne so gestaltet sind, dass körperliche, psychische und soziale Beeinträchtigungen minimiert werden. Die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG), des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JuASchG) und des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) beim Einsatz von Hilfs- und Teilzeitkräften werden umgesetzt. Den Beschäftigten soll ermöglicht werden, gesund bleiben zu können sowie Kontakte und Hobbies zu pflegen. Die Arbeit soll vorhersehbar und planbar sein.


Beispielhafte Maßnahmen

In der Reihenfolge S-T-O-P soll geprüft werden, ob es passende Maßnahmen zum Schutz vor einer Gefährdung gibt.

Substitution

  • In diesem Beispiel wurden keine substituierenden Maßnahmen getroffen.

Technische Maßnahmen

  • Der Einsatz digitaler Tools zur Schichtplanung kann überprüft und diese gegebenenfalls eingesetzt werden.

Organisatorische Maßnahmen

  • Dienstpläne werden frühzeitig bekanntgegeben. Dies ermöglicht eine gute Planbarkeit persönlicher Termine der Beschäftigten. Kurzfristige Änderungen im Schichtplan werden vermieden. Den Beschäftigten werden Mitspracherechte bei der Dienstplangestaltung eingeräumt.
  • Wissenschaftliche Erkenntnisse werden berücksichtigt: die Schichtabfolge wird immer vorwärts rotierend und mit kurzen Schichtwechseln geplant. Dauernachtschichten werden ebenso vermieden wie die Abfolge von mehr als zwei bis drei Nachtschichten aufeinander. Freizeiten werden im Block gewährt und nicht auf einzelne Tage aufgeteilt.
  • Ruhezeiten von 11 Stunden zwischen zwei Arbeitsschichten werden geplant und berücksichtigt.
  • Um Alleinarbeit in der Nachtschicht möglichst zu vermeiden, wird ausreichend Personal eingeplant. Z.B. kann ein Austausch mit anderen Beschäftigten in der Raststätte kontinuierlich sichergestellt werden.

Personenbezogene Maßnahmen

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge bei Nacht- und Schichtarbeit wird genutzt.
  • Über das betriebliche Gesundheitsmanagement wird Ernährungs- und Schlafberatung angeboten.
  • Die Beschäftigtenverpflegung wird nach den Empfehlungen der Ernährungsberatung gesundheitsorientiert angeboten.