Kamera-Monitor-Systeme an Baumaschinen

Bagger beim Aushub

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Bei der Arbeit mit Hydraulikbaggern muss bei Rückwärtsfahrten und Schwenkbewegungen der Gefahrenbereich hinter und neben der Maschine überprüft werden.
Bild: Petair, Stock.Adobe

Vielfach werden an Arbeitsplätzen digitale Medien wie Kamerasysteme und Monitore genutzt, um Arbeitsaufgaben zu erleichtern. So zum Beispiel an Baumaschinen. Ob solche technologiegestützten Mensch-Maschine-Schnittstellen der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit nützlich sind oder ihrerseits Risiken bergen, ist eine Frage, der die Präventionsforschung nachgehen muss.


Baumaschinen und insbesondere Hydraulikbagger haben in den letzten Jahren vielfältige technische Weiterentwicklungen erfahren, die die Mensch-Maschine-Schnittstelle optimieren und damit die Sicherheit erhöhen sollen. Diese betreffen unter anderem verbesserte Sichtbedingungen von der Kabine auf die Umgebung, z. B. durch zusätzliche Sichthilfen. So sollen Personen, die Maschinen führen, durch Kamera-Monitor-Systeme verdeckte Abschnitte des Gefahrenbereichs einsehen können, um Kollisionen mit Personen oder Gegenständen zu vermeiden. Dies ist insbesondere bei Fahr- und Schwenkbewegungen von Hydraulikbaggern relevant, da die direkte Sicht auf hintere und seitliche Bereiche häufig verdeckt ist.

Anforderungen an die direkte und indirekte Sicht aus der Fahrerkabine definiert für Erdbaumaschinen die Norm ISO 5006. Zur Erfüllung dieser Vorgaben können Sichthilfen, wie Spiegel und auch Kamera-Monitor-Systeme eingesetzt werden. Ungeklärt ist jedoch, wie diese Sichthilfen und andere Informationsquellen von Fahrern während der Arbeit im alltäglichen Betrieb tatsächlich genutzt werden. Dies ist wichtig, um einschätzen zu können, inwieweit diese Systeme sicheres und effizientes Führen der Maschine unterstützen können. Daher hat das IFA im Auftrag der BG BAU Blickbewegungsmessungen und Beobachtungsinterviews mit erfahrenen Maschinenführern auf Baustellen im realen Betriebsablauf durchgeführt. Anhand der Blickzuwendungen während ausgewählter Fahrbewegungen konnten die Nutzung und Akzeptanz von Sichthilfen bei Hydraulikbaggern eingeschätzt werden. Tendenziell lässt die häufige Nutzung einer Sichthilfe auf deren Nützlichkeit schließen. Demgegenüber weist die weniger häufige Nutzung möglicherweise auf Gestaltungsmerkmale hin, die dem Maschinenführer die Nutzung erschweren oder wenig lohnenswert erscheinen lassen. Hier könnte eine optimierte Gestaltung der betreffenden Sichthilfen dazu beitragen, deren Nutzung und somit die Sicherheit auf Baustellen zu erhöhen.

Beim Einsatz von Sichthilfen in Baumaschinen sind stets auch weitere Faktoren zu berücksichtigen, die auf die Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und das Verständnis und Verhalten von Maschinenführern einwirken. Dies sind neben der Arbeitsaufgabe und den Ausführungsbedingungen auch neuartige Arbeitsmittel, die weitere Informationen anzeigen, wie z. B. GPS-Systeme, sowie Sensor- und Warnsysteme zur Kollisionsvermeidung und Abstandsüberwachung.

Zur Einschätzung der Nutzung von Sichthilfen stellt diese Studie erste Hinweise bereit. Anhand dieser und weiterer Ergebnisse sollen schließlich Empfehlungen für eine optimierte Gestaltung von Baumaschinenführerplätzen abgeleitet werden, um so zu mehr Sicherheit auf Baustellen beizutragen.