Prävention der chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung (COPD) – berufliche Faktoren mindern

Projekt-Nr. FF-FP 0391

Status:

abgeschlossen 09/2022

Zielsetzung:

Obstruktive Atemwegserkrankungen gehören in Deutschland zu den am häufigsten gestellten Verdachtsanzeigen auf eine Berufskrankheit. In der arbeitsmedizinischen Forschung und Praxis bestehen dazu immer noch offene Fragen, insbesondere zu der Entstehung einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) durch arbeitsbedingte Einflüsse. Angesichts des demografischen Wandels und der längeren Lebensarbeitszeit wird erwartet, dass zukünftig immer mehr Erwerbstätige davon betroffen sein könnten. Wenn die COPD jedoch durch die Betroffenen selbst oder durch betriebsmedizinische Betreuung frühzeitig erkannt wird, kann der Erkrankungsverlauf medikamentös deutlich verlangsamt oder sogar zum Stillstand gebracht werden. Die Entstehung oder die Verschlimmerung kann durch gezielte Präventionsmaßnahmen, wie z. B. verstärkte Schulungen zum Atemschutz oder gezielte, andere tätigkeitsbezogene Schutzmaßnahmen, einen Arbeitsplatzwechsel oder bei rauchenden Personen auch durch eine Rauchentwöhnungsmaßnahme verhindert werden.

Anhand der branchen- und berufsspezifischen Resultate der Forschungsfragen des Projekts sollen die Beschäftigten gezielt informiert und die Aufklärung über die Krankheit COPD verbessert werden. Zudem soll der attributable Anteil der beruflichen Exposition am COPD-Gesamtgeschehen abgeschätzt werden. Die Verteilung der Betroffenen nach den unterschiedlichen Branchen und Berufen wird ermittelt.

Aktivitäten/Methoden:

Die Fragebogenerhebung und Untersuchungen führte das "Epidemiologische Studienzentrum" am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) im Rahmen der Kohortenstudie "Hamburg City Health Study" (HCHS) durch. Für die HCHS wurde eine bevölkerungsrepräsentative Zufallsstichprobe der Hamburger Bevölkerung aus dem Einwohnermeldeamt gezogen.

Die Datenauswertungen in diesem Abschlussbericht basieren auf der sogenannten 15 000er Kohorte, in welcher die ersten 15 000 Teilnehmenden der HCHS einbezogen werden. Für diese Kohorte stehen die vollständigen Fragebogenangaben und Untersuchungsdaten zur Verfügung, inklusive der in der Projektlaufzeit durchgeführten Zuordnung der als Freitexte erfassten Berufe der Testpersonen zu der deutschen Klassifizierung der Berufe (KldB) und den internationalen Berufsklassifizierungen ISCO-08 und Standard Occupational Classification (SOC2000), sowie der qualitätsbewerteten Spirometrieergebnisse.

Der Erhebungszeitraum der ersten 10 000er Kohorte liegt zwischen Februar 2016 und November 2018. Die zweite 5 000er Kohorte wurde zwischen November 2018 und Dezember 2022 rekrutiert.

Ergebnisse:

Für 9 125 Testpersonen standen genügend Lungenfunktionsdaten zur Verfügung, um eine Obstruktion der Lunge nach dem Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease(GOLD)-Kriterium zu bestimmen. Für 7 546 Personen konnte eine Obstruktion entsprechend der Global Lung Initiative(GLI)-Referenzwerte bestimmt werden. Die Prävalenz einer Obstruktion lag entsprechend GOLD bei 16,4 % und nach GLI bei 7,4 %. Entsprechend GOLD hatten Männer etwas häufiger eine Lungenobstruktion als Frauen (16,4 % vs. 15,0 %) und nach GLI hatten Frauen eine etwas höhere Prävalenz (7,6 % vs. 7,1 %). Entsprechend GOLD stieg die Prävalenz einer Obstruktion mit höherem Alter, während sie mit den GLI-Referenzwerten fiel.

Auf die Frage, ob sie am Arbeitsplatz gegenüber inhalativen Noxen exponiert waren, antworteten 22,1 % im Fragebogen mit "ja" (Frauen 14,0 %; Männer 30,2 %). Mithilfe der Job-Exposure-Matrix (JEM) wurden 31,5 % der Beschäftigten als beruflich exponiert charakterisiert (Frauen 23,9 %; Männer 38,8 %). Berufsgruppen mit einer hohen Diskrepanz zwischen selbsteingeschätzter Exposition und der JEM waren: "Textil- und Lederberufe" (Differenz 66 %), "Lebensmittelherstellung und -verarbeitung" (60,8 %) und "Reinigungsberufe" (59,6 %). In multiplen logistischen Regressionsmodellen war eine Arbeitsplatzexposition gemäß Selbstangabe ein höherer Risikofaktor für eine Lungenobstruktion (GOLD OR = 1,20; 95 %-KI: 1,02 - 1,41; GLI OR = 1,32; 95 %-KI: 1,03 - 1,68) als nach der JEM (GOLD OR = 1,06; 95 %-KI: 0,91 - 1,24; GLI OR = 0,94; 95 %-KI: 0,74 - 1,20). Weder nach der Selbstangabe im Fragebogen, noch nach der JEM waren die verschiedenen Arbeitsplatznoxen (chemisch, Gas, Staub, Rauch) einzeln betrachtet ein statistisch signifikanter Risikofaktor. Es konnten zwei Berufsgruppen unter erhöhtem Risiko ausgemacht werden, die bisher nicht im Fokus der COPD-Prävention stehen: Berufe in der "Softwareentwicklung und Programmierung" (GOLD: OR = 2,56; 95 %-KI: 1,45 - 4,33; GLI: OR = 2,78; 95 %-KI: 1,18 -5,78) und "Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen" (GOLD: OR = 1,25; 95 %-KI: 0,85 - 1,81; GLI: OR = 2,11; 95 %-KI: 1,22 - 3,50).

Stand:

18.08.2023

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
Projektdurchführung:
  • Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
  • Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Hamburg
Branche(n):

-branchenübergreifend-

Gefährdungsart(en):

Gefahrstoffe

Schlagworte:

Prävention, Atemwegserkrankungen (außer Krebserkrankungen), Exposition

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Atemwegserkrankung, COPD, Hamburg City Health Studie