Aktuelle Forschungsprojekte

Sicherheits- und Gesundheitskompetenz

Veränderungen in der Arbeitswelt führen aktuell zu räumlicher und zeitlicher Flexibilisierung, wofür mobile Arbeit und Vertrauensarbeitszeit verbreitete Beispiele sind. Neben den Vorteilen birgt erhöhte Flexibilität neue Herausforderungen für Arbeitgebende und Arbeitnehmende, da sie auf beiden Seiten eine größere Sicherheits- und Gesundheitskompetenz erfordert.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden bisherige Definitionen zu (Sicherheits- und) Gesundheitskompetenz recherchiert, verglichen und hinsichtlich ihrer Passung für den Bereich der Arbeit geprüft. Viele dieser Definitionen erwiesen sich als zu einschränkend (z. B. Fokus nur auf das Finden und Verstehen von Gesundheitsinformation = Health Literacy) oder zu umfassend. Deshalb wurde für den Arbeitsschutzkontext eine neue Definition entwickelt, die die identifizierten relevanten Inhalte umfasst.

Ausführlichere Information finden Sie hier:

Fahrerin eines autonom fahrenden PKW auf einer mehrspurigen Straße. In der Hand hält sie eine aufgeschlagene Zeitschrift.

Bild: metamorworks / stock.adobe.com

Aufgabeneinflüsse auf die Übernahme aus hochautomatisierter Fahrt

Hochautomatisiertes Fahren gestattet Fahrenden, sich während der Fahrt auch anderen Tätigkeiten zuzuwenden. Sie sind aber verpflichtet, die Steuerung auf Aufforderung des Systems wieder selbst zu übernehmen. In einem gemeinsamen Projekt mit dem Lehrstuhl für Ingenieurpsychologie und angewandte Kognitionsforschung der TU Dresden untersucht das IAG aktuell im dynamischen Simulator die Wirkung von nicht fahrbezogenen Tätigkeiten auf die Übernahme der Steuerung. Die beteiligten Forscher untersuchen die Wirkung verschiedener Aufgaben mit spezifischen Merkmalen auf die Übernahmezeit und -qualität sowie die dabei entstehende psychische Beanspruchung. Ziel ist es, eine Beanspruchungsampel für Aufgaben zu entwickeln, die als Nebentätigkeiten eher geeignet scheinen als andere, um dadurch Unfallrisiken durch Übernahmefehler zu minimieren.


Bild: fotalia.com/Ralf Geithe

Entwicklung von Leitindikatoren für eine Kultur der Prävention: Studie zum Leitindikator „Vertrauen“

Die Entwicklung einer nationalen Kultur der Prävention mit ihrem globalen Ziel der „Vision Zero“ setzt Leitindikatoren für die Prozessgestaltung voraus. Basierend auf einer internationalen empirischen Vorstudie (NN= 840) wurde im Teil 1 der Studie ein Index mit Leitindikatoren für die Entwicklung einer Kultur der Prävention entwickelt. Im Teil 2 des Projektes wird speziell der Leitindikator „Vertrauen“ untersucht. Vertrauen bildet die Grundlage für Beziehungen zwischen Menschen und zwischen Menschen und Systemen. Darüber hinaus eröffnet Vertrauen Handlungsmöglichkeiten in ungewissen und komplexen Situationen, die nicht durch formale Regeln und Vorschriften abgedeckt sind. Der Leitindikator Vertrauen ermöglicht Voraussagen zu sicherheits- und gesundheitsgerechtem Verhalten innerhalb eines bestimmten situativen und organisationalen Kontext.

Ziel der Studie ist es, nationale und multinationale Unternehmen und Einrichtungen mit einem wissenschaftlich fundierten Vertrauens-Assessment auszustatten. Das Forschungsprojekt wird vom Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Korea Agentur für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (KOSHA), unterstützt durch weitere Forschungsinstitute, durchgeführt.


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Corporate Social Responsibility: Arbeitsschutz als gesellschaftliche Verantwortung

Unternehmen von öffentlichem Interesse müssen ab 2017 regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung veröffentlichen. Das folgt aus der EU-Richtlinie 2014/95. Die Berichtspflicht umfasst Strategien, Risiken und Ergebnisse zu Arbeitnehmer- und Menschenrechtsbelangen, was u.a. die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit angeht. Die Gesetzgebung betrifft Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, auch die DGUV und ihre Mitglieder selbst. Das verstärkt den Handlungsbedarf und die Gremienarbeit der Unfallversicherungsträger sowie die Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmen zum Thema „Corporate Social Responsibility“ (CSR). Das IAG erforscht und berät, welche neuen Maßstäbe auf Aufsichtspersonen und leitende Sicherheitsfachkräfte bei der praktischen Beratung zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zukommen. Vor dem Hintergrund der nächsten Präventionskampagne der DGUV und ihrer Mitglieder wird mituntersucht, welche Schnittstellen zur Strategie der Vision Zero und zu einer Kultur der Prävention bestehen.


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Stressregulierung als Primärprävention bei Auszubildenden zum Notfallsanitäter

Die Kompetenz zur Stressregulierung ist besonders bedeutsam bei Berufsgruppen, die hohen emotionalen Belastungen bei der Arbeit ausgesetzt sind. Es ist daher sinnvoll, die Kompetenzen zur Stressregulierung bereits im Ausbildungsberuf zu verankern. Zu Berufsgruppen mit hohen emotionalen Belastungen gehören u.a. die Beschäftigten bei Rettungsdiensten.

Das Ziel des Projektes war es, die Vermittlung emotionaler Kompetenzen über eine standardisierte Intervention - das „Training emotionaler Kompetenzen“ (TEK) - im Rahmen der Weiterbildung der Rettungsstellenleitenden, Praxisanleitenden und Lehrrettungsassistenzen sowie während der Ausbildung zum Notfallsanitäter bzw. zur Notfallsanitäterin zu integrieren. Die Gesamtzufriedenheit mit dem Training war sehr hoch und über 50 % der Auszubildenden berichteten über eine zufriedenstellende (erwartete) Übertragung in die alltägliche berufliche Praxis. Es konnte nach dem Training keine signifikante Verbesserung der psychologischen Variablen festgestellt werden. Es zeigte sich aber eine signifikante Erhöhung der Herzratenvariabilität (HRV), was auf eine bessere Anpassungsfähigkeit an Belastungen hindeutet. Das DRK Bildungswerk Sachsen hat infolge des erfolgreichen Projektes entschieden, das TEK auch über das Projektende hinaus im Ausbildungscurriculum zu integrieren.

Ausführliche Informationen finden Sie im iga.Report 37.


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Erforschung Regionaler Unfallschwerpunkte

Ziel des Projekts war es, die Ursachen für regionale Unterschiede im betrieblichen Unfallgeschehen zu erforschen und auf dieser Basis Vorschläge für präventive Maßnahmen abzuleiten. Die Ursachenanalyse konzentrierte sich deshalb vor allem auf Merkmale, die prinzipiell veränderbar sind. Die Ursachenanalyse, die Bewertung der erhobenen Daten und die Gestaltung bzw. Ableitung von präventiven Maßnahmen bilden somit eine Einheit.

Zwischen den Bundesländern gibt es sowohl bezüglich der Arbeitsunfälle als auch der neuen Unfallrenten gravierende Unterschiede: So hat Mecklenburg-Vorpommern mit 38,86 Arbeitsunfällen auf 1.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 1,5 mal so viele Arbeitsunfälle wie Hamburg mit 25,41 Arbeitsunfällen auf 1.000 Pflichtversicherte.

Die Datenlage, auf der diese Beobachtungen beruhen, stellte sich allerdings als wenig belastbar heraus. Das Projekt "Arbeitsunfälle Betriebe" hat die aufgezeigten Lücken in der Datenlage geschlossen und die Indikatoren zur Erklärung regionaler Unterschiede im Unfallgeschehen innerhalb Deutschlands aufgezeigt.


Bild: fotolia.com/Petar Neychev

Auswirkungen von ständiger Erreichbarkeit

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien wie Smartphones und Tablets prägen zunehmend das Arbeitsleben. Sie ermöglichen, dass Beschäftigte ständig erreichbar sind. Untersuchungen zeigten entsprechend, dass dies bei einem Großteil der Beschäftigten auch in der Freizeit der Fall ist. Das Ziel dieses Projekts bestand darin, wirksame Konzepte zum Umgang mit den Erfordernissen ständiger Erreichbarkeit zu entwickeln, um mögliche negative Gesundheitsfolgen von Erreichbarkeit zu vermeiden. Dabei sollten die Konzepte passgenau in Absprache mit den beteiligten Unternehmen erprobt werden. Im Zentrum der Studie sollten Beschäftigte stehen, bei denen Erreichbarkeit für dienstliche Belange ungeregelt erfolgt. Bei ihnen wurden die möglichen Auswirkungen der Erreichbarkeit zunächst in einer umfangreichen Studie erhoben. Das Projekt wurde im Rahmen der Initiative Gesundheit und Arbeit durchgeführt.

Den iga.Report zum Thema finden Sie hier: https://www.iga-info.de/veroeffentlichungen/igareporte/igareport-23-teil-2/


Bild: fotolia.com/Werner Heiber

Pausengestaltung und Erholung – Alte Rezepte für moderne Arbeitswelten?

Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt führt dazu, dass Arbeitspausen immer mehr der Selbststeuerung der Beschäftigten unterliegen. Aufgrund technischer Entwicklungen werden Pausen möglicherweise auch immer stärker dazu genutzt, um in sozialen Medien aktiv zu sein. Es ist fraglich, ob auf der einen Seite gesetzliche Vorgaben und Empfehlungen noch bedarfsgerecht die heutigen Anforderungen abdecken und inwiefern es andererseits bei der Nutzung neuer Medien möglich ist, sich zu erholen. Das Projekt untersuchte für mobil Tätige, Personen im Home Office und junge Beschäftigte, wie Pausen aktuell gestaltet werden und welche Vorstellungen und Wünsche hinsichtlich einer guten Pausengestaltung bestehen. Das Projekt wurde im Rahmen der Initiative Gesundheit und Arbeit durchgeführt.

Den iga.Report zum Thema finden Sie hier: https://www.iga-info.de/veroeffentlichungen/igareporte/igareport-34/


Bild: IAG/Maennel

Neue Wege bis 67 - Praxistipps für ein längeres Arbeitsleben

Für viele Beschäftigte in körperlich harten Berufen wie in der Metallbranche bedeutet es eine Herausforderung, bis 67 zu arbeiten. Zusammen mit der ZEIT-Stiftung und der Handelskammer Hamburg hat das Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV Mitarbeiter zweier Hamburger Betriebe befragt und aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen für Beschäftigte und deren Personalverantwortliche in Produktionsberufen entwickelt. Die Praxistipps zeigen, wie Arbeitnehmer bis zum gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren gesund und leistungsfähig bleiben können und welche Maßnahmen Personalentwickler ergreifen können, um das zu gewährleisten. Die Broschüre "Neue Wege" bis 67 finden Sie hier. (PDF, 1,3 MB)


Bild: DGUV/IAG

Horizontaler Berufsumstieg – eine neue berufliche Chance für ältere Beschäftigte

Alle „64er“ und später Geborenen werden erst mit 67 Altersrente beziehen können. Für die Betroffenen und für die Betriebe ist es vorteilhaft, wenn sich dies auch mit der persönlichen Leistungsfähigkeit der Beschäftigten deckt. Doch viele Berufe weisen Merkmale einer „begrenzten Tätigkeitsdauer“ auf, das heißt, aufgrund von physischen und/oder psychischen Belastungen ist ein Verbleib bis zum regulären Renteneintrittsalter nur schwer möglich.

Von 2011 bis 2014 arbeitete das IAG an einem Digitalen Wegweiser, der eine Lösung für dieses Problem verspricht. Herzstück des Digitalen Wegweisers ist ein IT-Instrument, das eine Datenbank mit den Profilen aller in Deutschland vorkommenden Ausbildungsberufe umfasst. Gibt ein Nutzer sein persönliches Profil in den drei Kategorien Qualifikation/ Kompetenzen, Präferenzen sowie Gesundheit und Beanspruchungen ein, so gleicht das Instrument dieses Personenprofil mit allen Berufsprofilen ab und gibt Vorschläge für passende Umstiegsberufe aus.

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen von INQA gefördert und von der BAuA fachlich begleitet. Die Inhalte werden unter www.horizontaler-berufsumstieg.de näher erläutert. Den Digitalen Wegweiser finden Sie unter unter http://wegweiser-berufsumstieg.de.


Kontakt

Prof. Dr. Frauke Jahn
Tel.: +49 30 13001-2200
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Forschungsdatenbank

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Initiative Gesundheit und Arbeit

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