Erreger, Entstehung und Verbreitung

Stand: 02. Juni 2020

  • Entstehung und Verbreitung

    Von China ausgehend verbreitet sich derzeit das neue Coronavirus SARS-CoV-2 weltweit. Die Millionenmetropole Wuhan in der Provinz Hubei war dabei Zentrum des Ausbruchs. Die damit einhergehende Erkrankung wird Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) genannt. Das Virus SARS-CoV-2 hat sich in der kurzen Zeit nach seiner erstmaligen Entdeckung im Dezember 2019 als Erreger von Lungenentzündungen sehr effizient durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch ausgebreitet.

  • Erreger

    Coronaviren (CoV) können beim Menschen Krankheiten verursachen, die von leichteren Erkältungskrankheiten bis hin zu schwereren Krankheiten wie Middle East Respiratory Syndrome (MERS) und Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) reichen. Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist ein neues Virus, das bisher beim Menschen nicht nachgewiesen wurde.

    Der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) hat das Virus SARS-CoV-2 vorläufig in die Risikogruppe 3 eingestuft. Die Begründung für diese Einstufung sowie Empfehlungen zur Labordiagnostik finden Sie hier.

  • Symptome und Diagnostik

    Die Krankheitsverläufe variieren stark, sie reichen von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen und Tod. Die mittlere Latenzzeit beträgt 3 Tage (Spannbreite 2,5 bis 4 Tage), die mittlere Inkubationszeit 5,5 Tage (Spannbreite 1 bis 14 Tage). Damit können infizierte Personen bereits vor dem Auftreten von Symptomen infektiös sein. Die Zeitspanne der Infektiosität beträgt etwa 10 Tage, wobei eine sehr hohe Infektiosität ca. 1 Tag vor dem Symptombeginn auftritt. Die meisten Infektionen (ca. 80 %) verlaufen mild und asymptomatisch. Im Verlauf der Erkrankung sind dann die häufigsten Symptome Fieber und trockener Husten. Weitere Leitsymptome sind Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Hinzu kommen manchmal allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, seltener auch Durchfall und Schnupfen.

    Bei etwa 20 % der Fälle, insbesondere bei älteren Personen, Personen mit Vorerkrankungen (u.a. Herzerkrankungen, Asthma, Bronchitis, chronische Lebererkrankung, Diabetes, Krebserkrankungen) oder Personen, deren Immunsystem geschwächt ist, nimmt die Erkrankung einen schwereren Verlauf. In diesen Fällen tritt dann eine in der Regel beidseitige Lungenentzündung mit hohem Fieber, Atemnot bis hin zu Lungenversagen, in seltenen Fällen eine Sepsis auf.

    Eine ärztliche Abklärung einer COVID-19 Erkrankung erfolgt mittels eines labordiagnostischen Tests (in der Regel PCR-Test). Als Eingangsuntersuchung in Krankenhäusern wird zunehmend eine Röntgenaufnahme der Lunge vorgenommen, welche bei Anzeichen einer "Milch-Lunge" auf eine Corona-Infektion hindeutet. Der Verdacht wird anschließend durch einen labordiagnostischen Test bestätigt. Derzeit werden in Deutschland ca. 100.000 Tests pro Tag durchgeführt.

  • Ausbreitung

    Am 31. Dezember 2019 wurde das WHO-Landesbüro in China über eine Häufung von Lungenentzündungen in Wuhan informiert. Die chinesischen Behörden haben am 7. Januar 2020 das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 als Ursache der Erkrankung identifiziert. Seitdem steigen die Fallzahlen der SARS-CoV-2 Infektionen weltweit drastisch an, wobei die Johns-Hopkins-Universität derzeit von 6.273.402 bestätigten Fällen aus 188 Ländern und 375.683 Todesfällen ausgeht (Stand 02.06.2020).

    Das Land mit den höchsten Infektionszahlen ist derzeit die USA mit 1.811.277 bestätigten Fällen und 105.147 Toten, gefolgt von Brasilien mit 526.447 bestätigten Fällen und 29.937 Toten und Russland mit 414.328 bestätigten Fällen und 4.849 Toten (Stand 2. Juni 2020).

    Eine sehr dynamische Entwicklung liegt derzeit in Südamerika vor, neben Brasilien sind hier insbesondere Peru und Kolumbien zu nennen.

    Weitere Länder mit hohen Steigerungsraten bei den bestätigten Fällen sind derzeit Costa Rica (+100 % bestätigte Fälle gegenüber der Vorwoche), Athiopien (+200 %), Tunesien (100 %), Albanien (+ 138%), Nepal (+179 %), Sri Lanka (+ 322 %), Malediven (+ 50 %), Haiti (+ 99%), Kenia (+ 90 %), Kongo (+ 65 %), Thailand (+ 150 %), Honduras (+ 78 %), Aserbaidschan (+ 50 %), Irak (+88 %), Malaysia (+ 82 %), Panama (+ 117 %), Philippinen (+ 134 %) und Israel (+ 187 %).

    In Deutschland wurden bei 183.771 Betroffenen Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2 bestätigt, überwiegend mit mildem Verlauf, aber mittlerweile auch 8.557 Todesfällen (Stand 02.06.2020, Johns-Hopkins-Universität).

    Die ermittelte Letalitätsrate beträgt damit für Deutschland derzeit 4,6 % und liegt im internationalen Vergleich (weltweiter Durchschnitt ca. 6 %) sehr niedrig.

  • Lage in Deutschland

    Nach Auffassung des Robert Koch-Instituts handelt es sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation. Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Die Zahl der Fälle in Deutschland steigt weiter an. Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch, für Risikogruppen als sehr hoch eingeschätzt. Die höchsten Inzidenzen (Fälle pro 100.000 Einwohner) wurden aus Bayern (359), Baden Württemberg (314), Hamburg (276) und dem Saarland (275) gemeldet.

    Der Altersmedian gemeldeter COVID-19-Fälle liegt bei 50 Jahren, davon sind 48% männlich und 52% weiblich. Der Anteil an Kindern unter 10 Jahren liegt bei 2,0 %, Kindern im Alter von 10 bis 19 Jahren bei 4,5 %, Personen im Alter von 20 bis 49 Jahren bei 43 %, Personen im Alter von 50 bis 69 Jahren bei 31 % und in der Altersgruppe ab 70 Jahren beträgt der Anteil 8,9 %. Bei den gemeldeten Todesfällen handelt sich um 55% Männer und 45% Frauen, der Altersmedian liegt bei 82 Jahren. Von den Todesfällen waren 86 % Personen 70 Jahre und älter.

    Insgesamt wird das Infektionsgeschehen derzeit in Deutschland von lokal begrenzten Ausbrüchen bestimmt.

    Im Landkreis Sonneberg kam es zu einem Ausbruch in einem Altenpflegeheim, in dem sich mehrere Bewohner und Mitarbeiter mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Im Landkreis Coburg sind derzeit mehrere Pflegeeinrichtungen von Ausbrüchen betroffen. Im Landkreis Göttingen kam es zu einem Covid-19 Ausbruch, der wahrscheinlich auf Übertragungen bei privaten Familienfeiern zurückzuführen ist. Nach wie vor treten Ausbrüche in fleischverarbeitenden Betrieben in mehreren Bundesländern auf, die zum Teil zu Schließungen der Produktion geführt haben.

    Die aktuellen COVID-19 Fallzahlen global sowie in Deutschland finden Sie hier.

    Die aktuellen COVID-19 Fallzahlen in Deutschland, aufgeschlüsselt auf Länderebene, finden Sie auf der Internetseite des RKI.

  • Angeordnete Maßnahmen

    In einer Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 12. März 2020 wurden erste Beschränkungen, z.B. Absage von Veranstaltungen über 1000 Teilnehmern vereinbart, außerdem als Option die Schließung von Schulen und Kindertageseinrichtungen, der dann die einzelnen Bundesländer gefolgt sind.

    Zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben sich Bund und Länder am 16. März 2020 auf "Leitlinien zum Kampf gegen die Corona-Epidemie"mit weitergehenden Beschränkungen geeinigt.

    Am 22. März 2020 wurden aufgrund der drastisch steigenden Zahlen an SARS-CoV-2 Infizierten und den bis dahin nur bedingt eingehaltenen Kontaktbeschränkungen länderübergreifend weitere Maßnahmen ergriffen um eine weitere Ausbreitung der Infektion zu verringern.

    Am 01. April 2020 wurde länderübergreifend die Verlängerung der bundesweit geltenden Maßnahmen des Beschlusses vom 22. März 2020 bis zum 19. April 2020 beschlossen.

    Am 15. April 2020 wurde in einer Telefonschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vereinbart, dass die bestehenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens mit folgenden Eckpunkten / Änderungen bis zum 03. Mai 2020 verlängert werden:

    • Die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen werden bis zum 3. Mai 2020 verlängert. Demnach ist in der Öffentlichkeit ein Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten. Man darf sich in der Öffentlichkeit nur alleine, im Kreis der Angehörigen oder mit einer weiteren, nicht im Haushalt lebenden Person aufhalten.
    • Schulen sollen ab dem 4. Mai 2020 wieder schrittweise geöffnet werden. Der Schulbetrieb soll mit Abschlussklassen, obersten Klassen in Grundschulen sowie mit Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen, beginnen. Bis zum 29. April 2020 soll die Kultusministerkonferenz ein Konzept vorlegen, wie der Unterricht mit reduzierten Klassengrößen sowie Hygiene- und Schutzmaßnahmen wieder aufgenommen werden kann. Auch das Pausengeschehen und der Schulbusbetrieb sollen dabei berücksichtigt werden.
    • An Hochschulen dürfen Prüfungen abgenommen werden. Auch Lehrveranstaltungen, die spezielle Labor- bzw. Arbeitsräume erfordern, sind unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen erlaubt. Bibliotheken und Archive können geöffnet werden, wenn Auflagen zur Hygiene erfüllt sind, der Zutritt gesteuert wird und Warteschlangen vermieden werden.
    • Das Versammlungsverbot in Gotteshäusern bleibt bis auf Weiteres in Kraft. In Kirchen, Moscheen, Synagogen oder Örtlichkeiten anderer Glaubensgemeinschaften sollen damit vorerst keine religiösen Feierlichkeiten und Veranstaltungen stattfinden.
    • Geschäfte bis zu einer Verkaufsfläche von 800 qm können unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen wieder geöffnet werden, sowie unabhängig von der Verkaufsfläche Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen.
    • Friseure können unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen sowie unter Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung ab dem 4. Mai 2020 den Betrieb wieder aufnehmen.
    • Großveranstaltungen sind mindestens bis zum 31. August 2020 untersagt.

    Am 30. April 2020 wurde in einer Telefonschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vereinbart, dass die bestehenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens mit folgenden Eckpunkten verlängert bzw. geändert werden:

    • Großveranstaltungen wie z.B. Volksfeste, größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern, größere Konzerte, Festivals, Dorf-, Stadt-, Straßen-, Wein-, Schützenfeste oder Kirmes-Veranstaltungen sind derzeit untersagt. Wegen der immer noch gegebenen Unsicherheit des Infektionsgeschehens ist davon auszugehen, dass dies auch mindestens bis zum 31. August so bleiben wird.
    • Mit Auflagen können wieder geöffnet werden:
      • Spielplätze
      • Museen, Ausstellungen und Galerien
      • zoologische und botanische Gärten
      • Gottesdienste und Gebetsveranstaltungen

    Am 6. Mai 2020 wurde in einer Telefonschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vereinbart, dass die bestehenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens mit folgenden Eckpunkten verlängert bzw. geändert werden:

    • In der Öffentlichkeit Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten.
    • Konsequentes Beschränkungskonzept, wenn in Landkreisen oder kreisfreien Städten kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten 7 Tage auftreten.
    • Großveranstaltungen wie z.B. Volksfeste, größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern, größere Konzerte, Festivals, Dorf-, Stadt-, Straßen-, Wein-, Schützenfeste oder Kirmes-Veranstaltungen bleiben mindestens bis zum 31. August 2020 untersagt.
    • Schrittweise Öffnung der Schulen und Kindertageseinrichtungen.
    • Schrittweise Öffnung aller Geschäfte unter Auflagen.
    • Einstieg in den Sport- und Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel.
    • Schrittweise Öffnung der Gastronomie und des Beherbergungsgewerbes für touristische Nutzung.
    • Schrittweise Öffnung der Theater, Opern, Konzerthäuser und Kinos.
    • Zukünftig in eigener Verantwortung durch die jeweiligen Länder sollen folgende verbleibende Bereiche geregelt werden:
      • Vorlesungsbetrieb an Hochschulen
      • Übergang der Kinderbetreuung in den eingeschränkten Regelbetrieb
      • Volkshochschulen, Musikschulen und sonstige öffentliche und private Bildungseinrichtungen
      • Bars, Clubs und Diskotheken
      • Messen
      • Fahrschulen
      • Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege
      • Sportbetrieb in allen öffentlichen und privaten Indoor-Sportanlagen
      • Schwimmbäder
      • Fitnessstudios
      • Betrieb von sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen
      • Kleinere öffentliche oder private Veranstaltungen oder Feiern sowie Veranstaltungen ohne Festcharakter
      • Freizeitparks
      • Spielhallen und Spielbanken
      • Bordelle

    In einem Bund-Länder-Beschluss vom 26. Mai 2020 wurden folgende Regelungen festgelegt:

    • Bundesweit gilt:
      • Die Kontaktbeschränkungen bleiben bis zum 29. Juni 2020 bestehen – die Länder können Treffen mit bis zu 10 Personen oder den Angehörigen zweier Hausstände gestatten.
      • Hygiene- und Abstandsregeln bleiben bestehen.
      • Großveranstaltungen sind bis zum 31. August 2020 verboten.
    • Über die schrittweise Öffnung des öffentlichen Lebens entscheiden die Bundesländer in eigener Verantwortung. Sie berücksichtigen dabei die regionale Entwicklung der Covid-19-Infektionszahlen. Dies gilt insbesondere für
      • Schulen, Bildungseinrichtungen, kulturelle, gastronomische und touristische Angebote, Dienstleistungsbetriebe der Körperpflege sowie öffentliche und private Sportstätten
      • Erweiterung der Kita-Notbetreuung
      • Besuche in Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeheimen
      • Kleine öffentliche und private Veranstaltungen oder Feiern sowie Veranstaltungen ohne Festcharakter

    Bund-Länder-Beschlüsse im Detail

    Regelungen der Bundesländer zum Infektionsschutz im öffentlichen Bereich:

    Infektionsschutz im beruflichen Bereich

    Am 16. April 2020 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard veröffentlicht, der den Rahmen für die notwendigen Arbeitsschutzmaßnahmen in den Betrieben vorgibt.

    Die gesetzlichen Unfallversicherungsträger haben hierzu branchenspezifische Hilfestellungen veröffentlicht.