Erreger, Verlauf der Pandemie

Stand: 17. Mai 2021

  • Erreger und Verlauf der Pandemie

    Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist ein Virus, das erstmalig im Dezember 2019 in China in der Millionenmetropole Wuhan beim Menschen nachgewiesen wurde.

    Coronaviren (CoV) können beim Menschen Krankheiten verursachen, die von leichteren Erkältungskrankheiten bis hin zu schwereren Krankheiten wie Middle East Respiratory Syndrome (MERS) und Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) reichen. Die mit einer SARS-CoV-2 Infektion einhergehende Erkrankung wird Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) genannt.

    Das Virus SARS-CoV-2 hat sich in kurzer Zeit sehr effizient insbesondere durch Tröpfcheninfektion, aber auch durch Aerosolinfektion von Mensch zu Mensch ausgebreitet.

    Demzufolge hat WHO am 11. März 2020 das Infektionsgeschehen als "pandemisch" charakterisiert.

    Die mittlerweile über ein Jahr andauernde Pandemie / epidemische Lage von internationaler Tragweite verlief bzw. verläuft in mehreren Phasen.

    In der ersten Phase (Dezember 2019 - Mai 2021) war China am stärksten betroffen, es folgten dann als "Hotspots" Europa, die Vereinigten Staaten von Amerika und Südamerika. Eine zweite Phase, in der die Fallzahlen nach einer Phase mit niedriger Inzidenz im Sommer wieder deutlich anstiegen, begann im September 2020. Diese Phase oder auch zweite Welle genannt führte weltweit und auch in Deutschland zu einer massiven Verbreitung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung mit einhergehendem Anstieg der an oder mit SARS-CoV-2 Verstorbenen.

    Viele Länder u.a. auch Deutschland erfuhren seit dem Frühjahr einen dritten Anstieg der Fallzahlen und befinden sich somit in der dritten Phase bzw. Infektionswelle.

    Durch die Einführung einer Inzidenzgesteuerten Notbremse, einem sogenannten Lockdown am 23. April 2021 sowie durch die fortgeschrittene Impfkampagne sinken die Fallzahlen in Deutschland leicht aber stetig.

    Einen guten Überblick über die weiterhin weltweit steigenden Fallzahlen an SARS-CoV-2 Infektionen gibt die Johns-Hopkins-Universität mit ihrem COVID-19 Dashboard.

    Einen guten Überblick über die Lage in Deutschland geben die täglichen Lageberichte des Robert-Koch-Instituts zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19).

  • Virusmutationen

    Ein entscheidender Einfluss auf die Entwicklung der Pandemie ist durch das Auftreten von Virusmutationen zu verzeichnen. Insbesondere sogenannte besorgniserregende Varianten (VOC: variant of concern) führen zu einem deutlichen Anstieg im Infektionsgeschehen weltweit.

    So wurden seit Ende 2020 vier dieser besorgniserregende Varianten nachgewiesen.

    Im Dezember 2020 wurde zunächst die Variante SARS-CoV-2 Linie B.1.1.7 (20H/501Y.V1) im Vereinigten Königreich (VK) detektiert. Die Variante B.1.1.7 ("Kentvariante") hat sich in den letzten Monaten in Europa stark ausgebreitet und ist in vielen Ländern, so auch in Deutschland die dominierende Variante. Verantwortlich für die zunehmende Verbreitung sind eine erhöhte Übertragbarkeit und eine höhere Reproduktionszahl des Virus.

    Ebenfalls im Dezember 2020 wurde erstmals das vermehrte Auftreten einer SARS-CoV-2 Variante in Südafrika beschrieben, welche zur Linie B.1.351 (20I/501Y.V2) gehört.

    Zudem wurde aus Brasilien von einer Virusvariante P.1 (auch: 501Y.V3) berichtet, welche ebenfalls eine erhöhte Übertragbarkeit mit sich bringt.

    Bei der vierten Variante B.1617 handelt es sich um eine Variante mit zwei Mutationen. Sie wurde zuerst in Indien detektiert und ist dort mittlerweile entscheidend für das Infektionsgeschehen verantwortlich.

    Der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) hat das Virus SARS-CoV-2 in die Risikogruppe 3 eingestuft. Die Begründung für diese Einstufung sowie Empfehlungen zur Labordiagnostik finden Sie hier.

  • Übertragung

    Der Hauptübertragungsweg für SARS-CoV-2 ist die respiratorische Aufnahme virushaltiger Partikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen, Singen und Niesen entstehen.

    Bei den auftretenden Virusmutationen ist von einer erhöhten Übertragbarkeit des Virus auszugehen als vom Wildtyp.

  • Symptome

    Die Krankheitsverläufe variieren stark, sie reichen von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen und Tod. Die mittlere Inkubationszeit, also die "typische" Zeitspanne zwischen Infektion und dem Auftreten von Erkrankungssymptomen, beträgt 5 bis 6 Tage (das 95-Perzentil der Inkubationszeit liegt bei 10 bis 14 Tagen). Die Zeitspanne der Infektiosität beträgt bei milden bis moderaten Verläufen etwa 10 Tage nach Symptombeginn, bei schwereren (hospitalisierten) Verläufen bis zu 15 Tage, in seltenen Fällen bis zu 20 Tage nach Symptombeginn. Eine hohe Infektiosität ist bereits ca. 1 bis 2 Tage vor dem Symptombeginn möglich, damit können infizierte Personen bereits vor dem Auftreten von Symptomen andere Personen infizieren.

    Die meisten Infektionen (ca. 80 %) verlaufen asymptomatisch oder mild. Im Verlauf der Erkrankung sind dann die häufigsten Symptome (trockener) Husten, Fieber und Schnupfen. Weitere Leitsymptome sind Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Hinzu kommen manchmal allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen und Durchfall.

    Zu Beginn der Pandemie wurde ein schwerer Krankheitsverlauf bei etwa 20 % der Fälle, insbesondere bei älteren Personen, Personen mit Vorerkrankungen (u.a. Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber, der Niere, Krebserkrankungen oder Faktoren wie Adipositas) oder Personen, deren Immunsystem geschwächt ist verzeichnet. Mittlerweile ist ein gesteigerter Schweregrad der Erkrankung auch bei jüngeren Personen (15-59 Jahre) zu sehen, was zunächst an der gesteigerten Impfquote insbesondere bei Älteren, aber vermutlich auch an der Verbreitung der neuen Virusvarianten liegt. In diesen Fällen kann eine geänderte Symptomatik vorliegen als bei einer Infektion mit dem Ursprungsvirus. Zudem steigt die Häufigkeit der Beschwerden nach Infektion mit einer Corona-Mutante.

    Als weitere mögliche Symptome werden Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Konjunktivitis, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie, Somnolenz (krankhafte Schläfrigkeit) beschrieben.

    Erste Studien zeigen, dass eine Infektion mit dem Virustyp B.1.1.7 mit einer erhöhten Fallsterblichkeitsrate einhergeht. Bei Erkrankten im Alter bis ca. 50 Jahre beträgt der Fall-Verstorbenen-Anteil (case fatality rate, CFR) unter 0,1%, steigt jedoch mit dem Alter auf mehr als 10% bei Personen über 80 Jahren an.

  • Diagnostik

    Zur Diagnostik von SARS-CoV-2 finden derzeit Testsysteme Anwendung, die auf dem Erregernachweis basieren. Einerseits werden laborbasierte, hochsensitive PCR-Tests, basierend auf dem Nachweis viraler RNA verwendet. Andererseits kommen sogenannte Antigen-Schnell- und Selbsttests als Point of Care Diagnostik, basierend auf dem Nachweis von viralem Protein (Nucleocapsid), zur Anwendung. Antigen-Schnelltests, welche im Gegensatz zum genaueren PCR-Test (Ergebnis in 1-3 Tagen) innerhalb von 15 bis 30 Minuten ein Testresultat liefert, werden großflächig in entsprechenden Testzentren eingesetzt.

    Mit dem Dritten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite vom 18.11.2020 wurde geregelt, dass der Arztvorbehalt für Schnelltests entfällt. Damit kann seitdem grundsätzlich jeder diese Tests anwenden, allerdings müssen diese durch entsprechend geschultes Personal erfolgen.

    Seit dem 2. Februar 2021, mit der erneuten Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung (erlaubte Abgabe an jedermann) werden in großem Umfang sogenannte Antigen-Selbsttests (auch Corona-Selbsttests) in Bezug auf einen direkten Erregernachweis eingesetzt. Diese basieren auf dem gleichen Prinzip wie die Schnelltests, können allerdings von Laien in Eigenanwendung durchgeführt werden.

    Aufgrund der geringeren Sensitivität dieser Schnell – und Selbsttests, insbesondere bei Symptomfreiheit, muss bei einem positiven Testbefund eine ärztliche Abklärung einer COVID-19 Erkrankung unter Durchführung eines labordiagnostischen PCR-Tests erfolgen. Derzeit werden in Deutschland mehr als 2 Million PCR-Tests pro Woche durchgeführt.

  • Behandlung und Impfung

    Gängige Behandlungsoptionen sind derzeit Antikoagulantien, Kortikosteroide, Virustatika und monoklonale Antikörper bei hospitalisierten Patienten.

    Darüber hinaus befinden sich derzeit verschiedene Medikamente zur Behandlung von Covid-19 Patienten in der Entwicklung bzw. in der klinischen Testung.

    Derzeit sind in der EU vier COVID-19-Impfstoffe zugelassen (Vaxzevria von AstraZeneca, Covid19 Vaccine von Johnson&Johnson, COVID-19 Vaccine von Moderna und Comirnaty von BioNTech/Pfizer). Alle verfügbaren Impfstoffe haben eine gute Wirksamkeit gegen COVID-19. Die Impfstoffe basieren auf dem Grundprinzip, dem Immunsystem Antigene des SARS-CoV-2 zu präsentieren, die dem Aufbau einer Immunität gegenüber dem Erreger dient. Vaxzevria von AstraZeneca, Covid19 Vaccine von Johnson&Johnson sind sogenannte Vektorimpfstoffe, COVID-19 Vaccine von Moderna und Comirnaty von BioNTech/Pfizer sind sogenannte mRNA-Impfstoffe.

    Nach derzeitigem Kenntnisstand bieten die COVID-19-mRNA-Impfstoffe eine hohe Wirksamkeit von etwa 95% gegenüber Covid-19. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Menschen nach entsprechender Exposition trotz Impfung symptomatisch oder asymptomatisch infiziert werden können und dabei möglicherweise SARS-CoV-2 übertragen können. Untersuchungen zeigen, dass nach der 2. Impfung der Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion 95,3 % besteht und 91,5 % vor einer asymptomatischen SARS-CoV-2-Infektion. Wie lange der Impfschutz anhält, ist derzeit noch nicht bekannt.

    Der Vektor-basierte Impfstoff Vaxzervia von AstraZeneca hat unter Einhaltung des empfohlenen Abstands von 12 Wochen zwischen beiden Impfungen eine derzeit bekannte Wirksamkeit von bis zu 80% in allen Altersgruppen, die Wirksamkeit zur Verhinderung einer Hospitalisierung liegt bei etwa 95%. Auch hier ist derzeit nicht bekannt wie lange der Impfschutz anhält. Ebenfalls ist die Virusausscheidung bei Personen bei einer erneuten Infektion nach vollständiger Impfung stark reduziert. Hierdurch wird das Risiko einer Übertragung ebenfalls stark vermindert.

    Hinsichtlich der Wirksamkeit der Impfstoffe gegenüber den weltweit aufgetretenen Virusmutationen ist derzeit keine allgemeine Aussage aufgrund der Datenlage möglich.

    Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass die zugelassenen mRNA-Impfstoffe gegen Viren der Linie B.1.1.7, welche derzeit für das Infektionsgeschehen in Deutschland verantwortlich sind, effektiv wirken. Die genaue Schutzwirkung gegenüber weiteren Virusmutationen wird derzeit noch untersucht.

    Aktuelle Zahlen zum Impfstatus in Deutschland können dem Impfdashboard des BMG entnommen werden.

    Nationale Regelungen sowie Regelungen der einzelnen Bundesländer zum Infektionsschutz

    Wichtige bundesweite Regelungen im Infektionsschutz zu SARS-CoV-2 sind:

    Darüber hinaus sind die länderspezifischen Vorschriften und Regelungen zu beachten, siehe hierzu:

    Regelungen zum Infektionsschutz im beruflichen Bereich