SARS-CoV-2 – Schutzstandards für Bildungseinrichtungen

Besondere organisatorische Maßnahmen

Organisation der Kinderbetreuung

  • Abstandsgebot
    Abstand halten

    Das Abstandsgebot (mindestens 1,5 m) zu anderen Personen gilt grundsätzlich auch in der Kindertagesbetreuung. Diese Anforderung muss von pädagogischen Fachkräften, Tagespflegepersonen und sonstigen Beschäftigten im Kontakt untereinander, im Kontakt zu Erziehungsberechtigten sowie im Kontakt zu anderen Personen beachtet werden. Auch Erziehungsberechtigte und sonstige Personen sind umgekehrt angehalten, das Abstandsgebot gegenüber anderen Erwachsenen und fremden Kindern einzuhalten.

    Für die pädagogische Arbeit mit Kindern sind in Abhängigkeit vom Alter (insbesondere bei kleinen Kindern) oder auch aufgrund individueller Dispositionen Nähe und Körperkontakt unverzichtbar. Kinder brauchen eine beziehungsvolle Nähe zu ihren vertrauten Betreuungspersonen. Mit der Betreuungsarbeit sind enge Körperkontakte zum Beispiel bei der Pflege und Umkleide, beim Trösten aber auch allgemein zur Beziehungs- und Bindungssicherheit unumgänglich, so dass die Einhaltung des Mindestabstandgebotes von 1,5 m nicht konsequent eingehalten werden kann.

    Zudem darf von Kindern in Kindertagesbetreuung und Kindertagespflege nicht erwartet werden, dass sie diszipliniert mit solch einer Distanz untereinander agieren, da sie häufig die Nähe zueinander suchen.


  • Gestaltung der Gruppen
    Gruppenraum

    Kinder sollen unter Berücksichtigung der Erfordernisse, die sich aus der stufenweisen Öffnung der Einrichtungen ergeben, in möglichst kleinen und festen Gruppen betreut werden. Eine Durchmischung ist soweit als möglich zu vermeiden. Offene Betreuungskonzepte müssen dahingehend überprüft und ggf. angepasst werden. Soweit zweckmäßig sollen auch Funktionsräume wie z. B. Mehrzweckräume für die Betreuung genutzt werden. Die zeitgleiche Nutzung von Funktionsräumen wie z. B. Mehrzweckräumen, Schlafräumen und Spielfluren durch verschiedene Gruppen soll nach Möglichkeit nicht stattfinden.

    Ebenso sollte zur Vermeidung von Infektionsketten ein Personalwechsel möglichst vermieden werden.

    In der Kindertagespflege soll soweit als möglich auf eine strikte Trennung von privaten Räumen geachtet werden, die nicht zwingend für die Betreuung benötigt werden. In der Großtagespflege soll wie in Kindertageseinrichtungen nicht gruppenübergreifend gearbeitet werden.

    Landesspezifische Vorgaben und Empfehlungen in Abhängigkeit von der stufenweisen Öffnung sind zu beachten.


  • Übergabe von Kindern (Bringen und Abholen)

    Die Erziehungsberechtigten oder sonstigen Begleitpersonen sollen sich beim Bringen und Holen der Kinder nicht länger als notwendig in der Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege aufhalten. Wenn organisatorisch vorteilhaft und die emotionale Situation es zulässt, können Kinder z. B. an der Eingangstür in Empfang genommen werden, so dass das Gebäude nicht betreten werden muss.

    Die Kinder sollen nur von einzelnen Personen gebracht und abgeholt werden.

    Beim Bringen und Abholen der Kinder soll darauf geachtet werden, dass die Beschäftigten den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 m zu den Erziehungsberechtigten oder sonstigen Begleitpersonen soweit es das Alter, der Entwicklungsstand und das Befinden des Kindes erlauben, einhalten.

    Auch bei kurzen Übergabegesprächen zwischen Erziehungsberechtigten oder sonstigen Begleitpersonen und pädagogischen Fachkräften ist auf den Mindestabstand von 1,5 m zu achten. Je nach technischen Voraussetzungen und Besprechungsinhalten sollten sonstige Gespräche soweit als möglich per Telefon oder Videotelefonat durchgeführt werden.

  • Außengelände
    Außengelände

    So oft wie möglich sollte das eigene Außengelände unter Beibehaltung der Gruppeneinteilung genutzt werden.

    Der Aufenthalt auf der Freifläche sollte ebenso möglichst distanzorientiert gesteuert werden (z. B. durch Flatterbänder und Nutzungsregeln, bei kleinen Außenbereichen ggf. durch zeitversetzte Nutzung), um auch hier gruppenübergreifende Kontakte zu vermeiden.

    Soweit öffentliche Spielplätze genutzt werden, soll dies ebenso gruppenweise und zeitversetzt erfolgen. Ziel ist, dass keine Durchmischung der Gruppen untereinander sowie mit anderen Personen erfolgt. Überfüllte Spielplätze sollen demzufolge nicht angesteuert werden.


  • Veranstaltungen und Ausflüge

    Veranstaltungen und Feste mit externen Personen und größerem Personenaufkommen sowie Ausflüge können nur unter Beachtung der in den Ländern bzw. in den jeweiligen Kommunen geltenden allgemeinen Regelungen zum Schutz vor SARS-CoV-2 Infektionen geplant und ausgeführt werden.

    Kleinere Spaziergänge und fußläufig bestreitbare Ausflüge in die Natur (Wiesen, Wälder, Parks) sind daher früher und eher vorstellbar, als Ziele mit einem konzentrierten Personenaufkommen, die ggf. mit (öffentlichen) Verkehrsmitteln angesteuert werden müssen.

    Etwaige gruppeninterne Veranstaltungen können hingegen in den vorhandenen Räumen durchgeführt werden. Auf die Anwesenheit von anderen Personen (z. B. Erziehungsberechtigten, Großeltern, Geschwistern, Pädagogen, Künstler, etc.) muss bis auf weiteres verzichtet werden

  • Personaleinsatz

    Die Träger von Kindertageseinrichtungen und Arbeitgebenden von Kindertagespflegepersonen haben sicherzustellen, dass ausreichend Personal zur Betreuung anwesend ist. Hierbei ist insbesondere abzuwägen, ob und in welchem Umfang Beschäftigte in der Betreuung der Kinder eingesetzt werden, bei denen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Eine generelle Einstufung in eine Risikogruppe ist nach RKI nicht möglich. Weiterhin sollten Personen, die pflegebedürftige Angehörige mit Grunderkrankungen im häuslichen Umfeld betreuen, berücksichtigt werden. Hierbei können sich die Träger der Kindertageseinrichtungen oder Arbeitgebenden durch ihre Betriebsärztin / ihren Betriebsarzt beraten lassen.

    Bei der Kindertagespflege im Haushalt einer Kindertagespflegeperson sollte im Einzelfall die Gefährdung einer in dieser häuslichen Gemeinschaft lebenden Person mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf Beachtung finden.

    Hinweise zu Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf sind zu finden auf der

  • Besondere Hygienemaßnahmen
    Hände desinfizieren

    Kindertageseinrichtungen und einige Kindertagespflegestellen verfügen über einen Hygieneplan, in dem alle Maßnahmen zur Infektionshygiene festgelegt sind. Diese Maßnahmen sind grundsätzlich auch gegen SARS-CoV-2 wirksam. Zur Einhaltung der vorgesehenen Maßnahmen sollten Träger, Beschäftigte und Kindertagespflegepersonen insbesondere alle hygienerelevanten Bereiche (neben den Gemeinschaftsräumen, Sanitärräumen und Pausenräumen auch Küchen) überprüfen. Unter Umständen sind ergänzende Hygienemaßnahmen notwendig, die soweit erforderlich mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt werden sollten oder von diesem veranlasst werden.

    Soweit nicht bereits vorgeschrieben, sollte ergänzend idealerweise ein Reinigungs- und Desinfektionsplan erstellt werden, in dem festgelegt wird, wer wann welche Reinigungstätigkeit wie und mit welchen Mitteln durchzuführen hat.

    Von den jeweiligen Landesgesundheitsbehörden werden Rahmenhygienepläne und ggf. auch Muster-Reinigungs- und Desinfektionspläne bereitgestellt.

    Insbesondere folgende Hygienemaßnahmen sollten beachtet werden:

    • Alle Beschäftigten, Kinder und sonstigen Personen, die die Einrichtung für einen längeren Aufenthalt betreten, sollen sich bei Betreten und im weiteren Tagesverlauf anlassbezogen mit Flüssigseife für ca. 20-30 Sekunden gründlich die Hände waschen
    • Vorrangige Verwendung von Einmalhandtüchern (Textil oder Papier) auch für Kinder; bei kindbezogenen Handtüchern auf ausreichenden Abstand und regelmäßigen Wechsel achten
    • Sorgsame Beachtung der sich aus der Gefährdungsbeurteilung ergebenden Hygienemaßnahmen beim Wickeln (insbesondere geeignete Einmalhandschuhe, Bereitstellung und Verwenden von geeigneten Händedesinfektionsmitteln, Wischdesinfektion des Wickelbereichs)
    • Bereitstellen und Verwenden von Hautschutz- und Pflegemitteln (Empfehlung)
    • Fernhalten von Händen aus dem Gesicht
    • Husten und Niesen in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, nicht in die Hand; sofortige Entsorgung benutzter Taschentücher möglichst in geschlossene Behältnisse
    • Waschen oder Desinfektion von verunreinigten Körperstellen nach unbeabsichtigtem Kontakt der Beschäftigten mit Körpersekreten (Erbrochenes, Stuhl, Urin, Blut)
    • Wechsel von speicheldurchnässter Kleidung eines Kindes unter Verwendung von Einmalhandschuhen; Lagerung und Übergabe an die Erziehungsberechtigten erfolgt in einem flüssigkeitsdichten Behältnis (z. B. Plastikbeutel)
    • Wechsel von Kleidung der Beschäftigten, die mit Körperflüssigkeiten der Kinder kontaminiert ist; Lagerung in einem flüssigkeitsdichten Behältnis (z. B. Plastikbeutel), Waschen bei mindestens 60 °C mit Vollwaschmittel
    • Kindbezogene Schlafplätze einrichten: regelmäßige und anlassbezogene Reinigung der Bettwäsche bei mindestens 60 °C mit Vollwaschmittel

    Hinweise und Empfehlungen zur Reinigung und Desinfektion von Oberflächen sind zu finden


  • Erste Hilfe
    Erste Hilfe

    Die Grundversorgung in Bezug auf Ersthelferinnen bzw. Ersthelfern muss sichergestellt sein. Es muss jederzeit unverzüglich Erste Hilfe geleistet werden können. Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Ersten Hilfe während der Corona-Pandemie und Handlungshilfen sind auf der Website des DGUV Fachbereichs „Erste Hilfe“ zu finden.


Weitere organisatorische Maßnahmen

  • Arbeitsmittel und Gebrauchsgegenstände
    Flächen desinfizieren

    Arbeitsmittel der Beschäftigten wie z. B. Schreibutensilien sind nach Möglichkeit personenbezogen zu verwenden.

    Die gemeinsam genutzten Arbeitsmittel (wie z. B. Telefon, Tastaturen) müssen mit fettlösenden Haushaltsreinigern regelmäßig gereinigt werden.

    Gebrauchsgegenstände (wie z. B. Spielzeug, Beschäftigungsmaterial für Kinder) sollen gruppenbezogen verwendet werden; das Augenmerk liegt auf einer bedarfsgerechten Reinigung ggf. über das übliche Maß hinaus.

    Trinkgläser, Besteck und Essgeschirr soll soweit wie möglich nur von einer Person benutzt werden.

    Sogenannte Bällebäder u.ä. sollten gesperrt werden.


  • Betreuungszeit- und Pausengestaltung
    nicht eng zusammen sitzen

    Wenn es in bestimmten Bereichen erfahrungsgemäß zu Personenansammlungen kommen kann, die die Einhaltung des Abstandgebotes unter Erwachsenen absehbar erschweren (z. B. Eingang, Garderoben, Pausenraum), soll mit besonderen organisatorischen Regelungen einrichtungsspezifisch entgegengewirkt werden. Dies kann z. B. durch versetzte Betreuungszeiten für einzelne Gruppen oder versetzte Pausenzeiten für Beschäftigte erfolgen.


  • Zutritt fremder Personen

    Generell sollen alle Personenkontakte auf das Nötigste beschränkt werden. Insbesondere ist der Zutritt fremder Personen (z. B. Handwerker, Dienstleister) nur im zwingend notwendigem Umfang zu gestatten.

    Kontaktdaten von betriebsfremden Personen sowie Zeitpunkt des Betretens und Verlassens der Einrichtung sind zu dokumentieren, damit eine etwaige Infektionskette nachvollzogen werden kann. Betriebsfremde Personen dürfen die Einrichtung nur betreten, wenn sie mit dieser Dokumentation einverstanden sind. Darüber hinaus müssen sie auf die vorherrschenden Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen mit SARS-CoV-2 unterrichtet werden und diese einhalten.

  • Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle

    Bereits vor der (Wieder-)Aufnahme von Kindern in die Einrichtung ist darauf hinzuweisen, dass Kinder mit Symptomen einer Atemwegsinfektion nicht betreut werden dürfen. Beschäftigte, Kinder und sonstige Personen mit entsprechenden Krankheitssymptomen, vor allem Fieber, Husten und Atemnot, Geschmacks- und Geruchsstörungen sind aufzufordern, die Einrichtung bis zur medizinischen Abklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt nicht zu betreten. Auch wenn ein Familien- bzw. Haushaltsmitglied der Beschäftigten oder Kinder erkrankt ist oder Krankheitssymptome aufweist, darf die Einrichtung bis zur ärztlichen Abklärung der Symptome nicht von den jeweiligen Beschäftigten oder Kindern betreten werden.

    Vorgehen bei einer COVID-19 Erkrankung oder bei Verdachtsfällen

    Sollte bei einem in der Einrichtung betreutem Kind bzw. bei einem / einer Beschäftigten eine COVID-19 - Erkrankung nachgewiesen werden oder ein begründeter Verdachtsfall vorliegen, ist umgehend das zuständige Gesundheitsamt zu informieren und die Erkrankung zu melden, um die weiteren Maßnahmen abzustimmen.

    Bei positivem Testergebnis bleibt das betroffene Kind bzw. der / die betroffene Beschäftigte 14 Tage in häuslicher Quarantäne. Dies gilt auch bei milden Krankheitsverläufen.

    In Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen sollten Regelungen getroffen werden, um bei bestätigten Infektionen diejenigen Personen (Beschäftigte, Kinder bzw. Erziehungsberechtigte und Sonstige) schnell ermitteln und informieren zu können, bei denen durch Kontakt mit der infizierten Person ebenfalls ein Infektionsrisiko besteht.

    Wann besteht Verdacht auf eine Infektion?

    Nicht jede Person mit einer Atemwegsinfektion ist automatisch ein konkreter Verdachtsfall. Aktuelle Kriterien zur Einstufung als Verdachtsfall (COVID-19) werden auf der Website des RKI beschrieben:

    Auftreten von Krankheitsanzeichen während der Betreuung (unabhängig davon, ob ein konkreter Verdachtsfall vorliegt)

    Bei Kindern

    Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass jedes Kind, das Symptome einer Atemwegserkrankung zeigt, mit SARS-CoV-2 infiziert ist. Jedes Kind mit entsprechenden Krankheitssymptomen muss aber so schnell wie möglich von einer erziehungsberechtigten oder sonstigen befugten Person abgeholt werden. Bis zur medizinischen Abklärung der Symptomatik darf das betroffene Kind sowie ggf. ein symptomfreies Geschwisterkind die Einrichtung nicht wieder betreten.

    Bei Beschäftigten

    Zeigen sich während der Betreuung der Kinder bei den Beschäftigten Symptome einer Atemwegserkrankung, ist die Arbeitstätigkeit so zeitnah wie möglich zu beenden. Die Beschäftigten dürfen bis zur medizinischen Abklärung die Einrichtung nicht wieder betreten.

     

  • Psychische Belastungen durch Corona minimieren

    Die Auswirkungen und Bedrohungen der Corona-Krise kann bei Beschäftigten große Ängste hervorrufen. Weitere zu berücksichtigende Aspekte hinsichtlich psychischer Belastung sind unter anderem mögliche Konflikte mit Angehörigen der zu betreuenden Kinder oder eine lang andauernde hohe Arbeitsintensität nach Erweiterung der Notbetreuung bis hin zur vollständigen Öffnung der Einrichtung. Diese zusätzlichen psychischen Belastungsfaktoren müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt und darauf basierend geeignete Maßnahmen ergriffen werden.

    Organisatorische und personenbezogene Maßnahmen hierzu können sein:

    • eine klar vorgegebene Aufgabenstellung, klar abgegrenzte Verantwortungsbereiche, klare Zuständigkeitsregelungen und eine klare Prioritätensetzung,
    • kontinuierliche und gezielte Informationen über die aktuelle Situation und die Maßnahmen,
    • verantwortungsbewusster Umgang mit Beschäftigten, die einer Risikogruppe angehören,
    • kollegialen Austausch ermöglichen,
    • Auffanggespräche zwischen Führungskräften und Beschäftigten durchführen,
    • Einsatz kollegialer Erstbetreuung

    Weiterführende Informationen finden sich bei den Unfallversicherungsträgern der öffentlichen Hand oder bei der BGW und auf der Website der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA):